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Auslandsjahr und G8

Bedeutet G8 auch gleichzeitig verkürzter Schüleraustausch?

In Deutschland wurde die Schulzeit bis zum Abitur von 9 auf 8 Jahren verkürzt (das sog. „G8“). Gleichzeitig wurde jedoch versäumt die „verlässliche“ Ganztagsschule einzuführen, um den zeitlichen Rahmen für die schulische Bildung zu schaffen. Erreicht haben sie lediglich, den Druck auf Schüler, Schule, Lehrer und Eltern zu erhöhen. Es kommt mir so vor, als hätten die Politiker das Pferd von hinten aufgezäumt und den Schlamassel den anderen hinterlassen.

Der Druck und die Unsicherheit liegen bei Schülern, die gerne ein Auslandsjahr an einer High School verbringen wollen. Früher war es möglich, die Schulzeit im Ausland anerkennen zu lassen, so dass man nach der Rückkehr ein Jahr weiter war. Heute scheint dies nicht mehr so einfach zu sein.

Das Schuljahr im Ausland war jedoch niemals eine Verlagerung der schulischen Bildung ins Ausland. Das Highschooljahr ist vielmehr eine Auszeit von der Schule, in der der Teilnehmer sich mit fremden Menschen, ihrer Kultur und Mentalität auseinandersetzt und aus der er gestärkt wiederkehrt.

Es ist daher logisch, dass der Teilnehmer wieder dort ansetzt, wo er aufgehört hat. Fälschlicherweise reden viele vom „Schuljahr wiederholen“, vom „Sitzenbleiben“, von der „Ehrenrunde“ und vom „Jahr nachholen“. Der Schulbesuch im Ausland ist jedoch im Grunde ein Forschungsjahr, wenn auch nicht so akademisch strukturiert wie bei einem Professor. Der Teilnehmer führt ein völlig anderes Leben. Er erlebt und erfährt Dinge, von denen seine Schulkamaraden keine Vorstellung haben. Er untersucht intensiv das Leben in einer fremden Kultur.

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Für einen Schulbesuch im Ausland trotz „G8“ spricht vieles. Der Zuwachs des Selbstbewusstseins, die Motivation und Ideen zur weiteren Laufbahn sind nur einige Pluspunkte von vielen. Die erworbene Auslandserfahrung, die Reife und Selbstständigkeit sowie die Sprachkenntnisse sind stets nützlich, insbesondere im Studium und im Beruf.

Es gibt einen weiteren Aspekt, von dem nur selten gesprochen wird: das Alter und die Reife beim Abitur. Wer mit 6 Jahren eingeschult wird, ist gerade mal 18 Jahre alt, wenn die Abiturprüfungen vorbei sind. Viele werden sogar erst 17 Jahre alt sein (von den Schülern, die eine Klasse überspringen mal ganz abgesehen). Wenn man außerdem bedenkt, dass die Schüler nun länger Schule haben (sollen) und mehr Zeit für Hausaufgaben, Lernen, Vor- und Nacharbeiten aufbringen müssen, bleibt ihnen wenig Zeit, Lebenserfahrungen im realen Leben zu sammeln.

Die Hochschulrektoren, mit denen ich gesprochen habe, sind ein wenig ratlos, denn sie haben weder die Strukturen noch die finanziellen Mittel um diese jungen Studenten aufzufangen. Bei Gesprächen denken die einen laut über eine Art Studienkolleg gleich dem amerikanischen Muster nach, die anderen empfehlen ein Auslandsjahr vor oder nach dem Abitur einzulegen. Andere wiederum, etwas ganz anderes. Feststeht: sie wissen, dass harte Zeiten auf sie zukommen.

Mein Rat: raus aus der Verunsicherung und ab ins Ausland. Mach einen Schüleraustausch an einer High School in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland oder wo auch immer du hin möchtest. Nutzt heute die Zeit, einen Traum zu verwirklichen und lasst euch nicht von der unausgereiften Politik verrückt machen. Ergreife die Chance und mach etwas daraus!


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