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Kulturführer Japan

Wer für ein Auslandspraktikum nach Japan reist, begibt sich in eine für Europäer sehr fremde Kultur mit Ritualen und Sozialordnungen, die nicht leicht zu verstehen sind. Für unsere Praktikantinnen und Praktikanten haben wir hier ein paar wichtige Ge- und Vebote zusammengestellt, um den Einstieg in die Lebensweise der Japaner zu erleichtern.


Natürlich ist diese Liste nicht vollständig und auch nicht immer 100% anwendbar. Wie alle Kulturen befindest sich auch die Kultur Japans im Wandel und es ist möglich, dass Sie Japan und die Japaner anders erleben.

Arbeiten & Anweisungen: Praktikantinnen und Praktikanten sollen keine bis nur wenige Anweisungen erwarten, wenn sie eine Aufgabe oder ein Projekt übernehmen. Wenn ihr Vorgesetzte Ihnen eine Tätigkeit zuteilt, erhalten Sie selten das "Wie" sondern lediglich das "Was" Sie zu tun haben.

Baden: Es gibt viele Bäder in Japan und das Baden gehört zur japanischen Lebensweise. Bevor Sie ins warme Wasser steigen, müssen Sie sich gründlich abseifen und abduschen – am besten für alle sichtbar.

Berührungen: Es ist unüblich Menschen zu umarmen, auf die Schulter zu klopfen, die Hände zu schütteln u. ä. (außer vielleicht bei Trinkgelagen). In Japan hält man lieber Abstand, sonst dringen Sie in die persönliche Distanzzone ein und lösen dabei sehr wahrscheinlich ein tiefes Gefühl von Beklommenheit beim Betroffen aus.

Essstäbchen: Lernen Sie damit umzugehen und Sie werden Hochachtung genießen. Spielen Sie nicht mit den Essstäbchen. Das würden Sie mit dem Besteck Zuhause auch nicht machen.

Geschenke: Das Schenken ist ein wichtiger Brauch in Japan. Geschenke werden benutzt, um dankzusagen, zu gratulieren, zu begrüßen, sich zu verabschieden, sich zu entschuldigen u.v.m. Scheint eine einfache Sache zu sein. Ist es aber nicht. Wenn Sie als Praktikant Ihrer Gastfamilie oder Praktikumsgeber einen Mitbringsel überreichen wollen: es gibt viele Stolpersteine, Tücken und Fallen, die im Vorfeld lieber bedacht werden wollen.

Geschenke annehmen: Es gibt eine Kardinalregel beim Annehmen von Geschenken: das Mitbringsel annehmen, sich bedanken und es ungeöffnet beiseitelegen – auch nicht schütteln oder abtasten. Das zu tun, zeugt von Habgier. Ist man zu Gast bei Arbeitskollegen, wird man womöglich ein Abschiedsgeschenk gegen Ende des Abends erhalten. Hier gelten die gleichen Regeln wie oben. Man sollte außerdem  tunlichst vermeiden, das erhaltene Geschenk liegen zu lassen. Das wäre eine Beleidigung.

Geschenke überreichen: Die Stückzahl eines Mitbringels ist von großer Bedeutung, denn gerade Zahlen bringen Unglück, ungerade Zahlen wiederum versprechen Glück. Lieber 7 Blumen statt 6 schenken. Lieber 3 Biergläser als 2 usw. Aber niemals 9 Stück von irgendetwas schenken. Denn die 9 (ku) wird u. a. mit Leiden assoziiert. Auch die 4 (shi) sollte man tunlichst vermeiden, denn shi kann auch Tod bedeuten. Andere Fettnäpfchen sind Messer, Scheren, Brieföffner und weiteres Schneidewerkzeug, denn diese Gegenstände sind ein Signal für eine Trennung. Auch Bilder und Zeichnungen von bestimmten Tieren werden als anzüglich angesehen. Füchse, zum Beispiel, symbolisieren Fruchtbarkeit, während Dachse Hinterhältigkeit versinnbildlichen. Grundsätzlich sollten Sie Ihr Geschenk mit den Worten „es ist zwar wertlos, ich bitte Sie es trotzdem anzunehmen“ überreichen.

Harmonie: Bitte lächeln Sie und bloß nicht streiten. Japaner lehnen offen ausgetragene Konflikte strikt ab. Vermeiden Sie es, Ärger, Wut, Stress oder Spannung auszusprechen oder sie sich anmerken zu lassen.

Hierarchien: Durch den Einfluss des konfuzianischen Weltbildes legen Japaner einen besonderen Wert auf die Sozialordnung und sind daher sehr status- und rollenbewußt. Auch Alterunterschiede spielen für die Sozialordnung in Japan eine große Rolle für die angemessene Respektbezeugung. Wenn zwei Japaner sich zum ersten Male begegnen, wird z. B. nach dem Jahr des Schulabschlusses gefragt, damit die Rangfolge geklärt ist.

Karaoke: Der Besuch einer Karaoke-Bar kann sehr lustig oder sehr peinlich sein. Die Einladung dorthin jedoch darf man nicht ausschlagen. Ausreden nach dem Motto, man kenne keine japanischen Lieder, gelten nicht, denn jede Karaoke-Bar hat unzählige internationale Pop-Songs parat.

Kleidung: In der Regel kleidet man sich eher förmlich-konservativ, d. h. gutes Tuch aber dezentes Design. Man könnte es auch Understatement nennen. Dies gilt für sie wie für ihn. Auch in der Freizeit lässt man sich nicht gehen: kaputte Jeans oder uralte T-Shirts trägt man eher Zuhause als in der Öffentlichkeit. Sie sollten auch auf Ihre Socken achten, denn Sie werden oft die Schuhe ausziehen!

Komplimente: Komplimente wie „das haben Sie toll gemacht“ können die Zielperson in eine Sinnkrise stürzen. Wenn Sie loben möchten, verweisen Sie lieber auf die eigenen Schwächen („ich bin nicht gut bei Präsentationen“) statt auf die Leistung des anderen. Das größte Kompliment machen Sie, wenn Sie die Person um Rat fragen.

Reis: Reis ist das „tägliche Brot“ der Japaner. Sie werden ihm bei allen Mahlzeiten begegnen. Essen Sie Ihre Portion bis auf einen Anstandsrest auf. Stecken Sie Ihre Essstäbchen niemals in den Reis, dass sie wie Segelmasten herausragen. Das macht man nur, wenn man Toten symbolisch Reis anbietet.

Tee: Nach einer Mahlzeit wird oft grüner Tee gereicht. Der Tee wird pur getrunken – ohne Milch, ohne Zucker oder Honig. In Japan ist es normal, dass kleinere Teeblätter am Schalengrund sind. Möglicherweise haben Sie sogar ein aufrecht stehendes Teeblatt in Ihrer Schale. Zeigen Sie, dass Sie es bemerkt haben, denn: ein aufrechtes Teeblatt in der Schale gilt als Glückbote! Übrigens: Tee ist kein normales Geschenk: in Japan ist grüner Tee für Trauerfeier und Beerdigungen vorbehalten.

Trinken: Alleine zu trinken ist verpönt. Wenn Sie in Gesellschaft sind, schenkt man sich gegenseitig Getränke ein. Das eigene Glas bitte nicht selbst füllen. Wird Sake getrunken, trinkt man seine Schale vorher aus bevor nachgeschenkt wird.

Trunkenheit: In Japan wird Trunkenheit in der Öffentlichkeit mit einer einzigartigen Toleranz begegnet. Interessant ist, dass man in diesem Zustand ungestraft seine Meinung sagen darf.

Verbeugen: Es ist ein Ritual, dass überall praktiziert wird (sogar beim Telefonieren) und sehr viel über den Status einer Person aussagt. Wenn Sie die Regeln des Verbeugens nicht kennen, sollten Sie lieber nicht mitmachen. Für ein Gaikokujin (Ausländer) reicht ein freundliches Kopfnicken.

Visitenkarten: Für Visitenkarten möchten Sie bitte ein hochwertig aussehendes Etui zulegen und es im Jackett aufbewahren (bloß nicht in einer Hosentasche). Wenn Sie Ihrem Gegenüber Ihre Visitenkarte überreichen, nehmen Sie die Karten aus dem Etui und überreichen Sie sie mit beiden Händen. Wenn Sie eine Visitenkarte erhalten, nehmen Sie sie mit Respekt mit beiden Händen entgegen, betrachten Sie die Karte und machen Sie ein Kompliment über die Farbe, den aufwendigen Druck oder das Papier. Dann legen Sie die erhaltene Karten respektvoll in Ihr Etui.

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